Donnerstag, 10. November 2011

Weltverschwörung im Park nebenan

Moin Folks,

gestern war es schon wieder so weit. Ich muss mir echt überlegen, ob ich überhaupt noch mal schlafe in diesem, meinem eigens verbuchten, Leben. Jedes Mal wenn ich wach werde, passieren komische Dinge um mich herum, ohne dass ich die Fernsehkiste anschmeißen oder ins Internet glotzen müsste. Dabei dachte ich immer: "Ach komm Schinder, so bekloppt et hier is, da draußen inne Ferne, daaa gehtet richtich ab!" Aber geschissen.

Also ich hab ja quasi über die Straße wech, so 'nen gediegenen kleinen Park. Früher saßen da eher die ortsansässigen Wohnungslosen  und ballerten sich die letzten Zellen aus ihrer Hirnstruktur oder die Nachbarn ließen ihre untalentierten Köttelkackmaschinen auf der herrlich schönen Wiese, den für jene Spezies typischen Geschäften der Entleerung nachgehen.
Nun hatte man sich dieses Jahr in der, im städtischen Rathaus beheimateten,  Regierung, wohl gedacht: "Hömma, da is noch wat Geld im Sack, komm wir machen den einen Park da ma wat fein für die Bürgers." So ist es dann auch geschehen. Nach langwieriger Baustelle, wenn man für die Stadt arbeitet hat man ja für gewöhnlich Zeit, entstand eine neue Herrlichkeit von Parkanlage. Neue Spielplätze für die Kids, wo man anstatt altgedienten Sand nun Mulch unter die Schaukeln gekloppt hatte. Wo ich mich immer noch frage, wie die jetzt Sandkuchen backen und Sandburgen bauen sollen? Aber vermutlich sitzen die eh nur noch rauchend auf der Schaukel und schicken sich SMS hin und her. Man steckt da ja nicht mehr so drin. Dann ist es vermutlich auch besser, wenn das Handtelefon nicht in den Sand, sondern in den Mulch fällt. Wird also alles schon seine Richtigkeit haben. Ker, ich lerne sogar von mir selbst, stelle ich gerade fest.
Wie auch immer, weiter im Text. Der Park hat nun nebenbei auch sein schummriges Ambiente eingebüßt. Und zudem wurden die Bänke nach neusten Feng-Shui Regeln des Origami-Prinzips angeordnet. Das hat den Park nun allerdings, nach meiner eigens erhobenen Hochrechnung für Umgebungsvariablen,  zwei drittel seiner Besucher gekostet. Denn den Clochards der Umgebung war es wohl plötzlich zu noblerös geworden und suchten sich, nach meiner ebenso aufgestellten Hypothese, ein gemütlicheres Plätzchen, wo nicht so viel Tageslicht einfallen wird.
Wie auch immer, schöner Park, nix mehr los.

Dachte ich! Dachte ich wirklich, bis eben das Gestern angeschissen kam. Denn ich hielt ein gemütliches Mittagsschläfchen, wegen vorangegangener Erschöpfung meines Prachtkörpers und als ich wach wurde, brach schon, mit aller Gewalt, die herbstzeitliche Finsternis in meine Gefilde ein.
Doch als ich meine Glupschluken öffnete und die Restbestände vom Sandmänneken aus selbigen wischte, war es ungewohnt hell in meinem Wohnzimmer. Nicht jetzt so hell, als würden die Gliesemonauten von Gliese 581g nach Erdlingen scannen, aber eben heller als es Sinn machen sollte.
Ich war noch viel zu erschöpft um schnell aufzuspringen und die Geschichte genauer zu verifizieren, so dass ich mit dem Gedanken lebte, dass es vielleicht doch die Gliesemonatuen sein könnten oder irgendwo hat vielleicht ein verzweifelter Immobiliarseigentümer seine Kaschemme in Brand gesetzt bzw. der Trend aus der Hauptstadt ist übergeschwappt und ein bekloppter hat ein paar Mofas angezündet.
Nach gefühlten drei Minuten, die aber nur zwei waren, hielt ich es nicht mehr aus und musste wissen was dort, mal wieder vor dem altbekannten Fenster, von statten ging. So schmiss ich meine beiden pelzhaltigen Mitbewohner vom Rest meines Körpers und sprang langsam emporsteigend auf. Dann schlich ich vorsichtig ans Fenster, denn wenn es doch die Gliesemonauten wären, nehmen die mich nachher noch ungefragt mit und zwanzig Lichtjahre um täglich meine Muschis zu füttern, ist mir auf Dauer auch zu anstrengend. Wobei ich ja noch nicht mal weiß, ob ich mit 'nem Busticket überhaupt soweit komme ohne Zuzahlung. Ich würde sofort drauf wetten, dass ist garantiert ein ganz anderer Verbundraum. Das ansässige Bus- und Bahnunternehmen arbeitet nämlich mit so Tricks. Kaum rein in den Bus, schon wieder raus aus dem Tarifgebiet. Also war äußerste Vorsicht geboten. Doch ich schaffte es ohne Lärm am anvisierten Platz anzukommen. Zwei Meter purer Stress.

Dann sah ich wat da draußen passierte. Bunte Lichterketten, zerzaustes Absperrband und Gestalten in leuchtenden Westen... tumultartiges Treiben im Park.
Mein erster Gedanke - froh seiend, dass es doch nix mit den Vorüberlegungen zu tun hatte, denn Gliesemonauten tragen keine leuchtenden Westen, soviel weiß ich auch - das sind Chinesen. Ganz klare Sache. Die sind eh gerade in ihrem sozialistischen Kapitalismus-Wahn und haben sogar Großstädte, wo keine Sau wohnt, bis auf 'ne Putzkolonne und zwei Statisten. Die wollen den Park klauen! Die wollen den Park klauen, wie schon so viele andere Dinge und dann 1:1 mitten in Peking oder Shanghai wieder aufbauen. Kennt man doch aus dem Fernsehen. Da werden Dinge zerlegt, nummeriert, verpackt und "zack" steht die Scheiße auf irgend so einem alten Sojabohnenfeld. Nur damit Frau Wu und Herr Tse sich davor fotografieren lassen können und so tun, als wenn eine schwere Europareise hinter ihnen liegen würde.
Aber wat sollte ich tun? Ich allein gegen 1.000.000.000 Chinesen. Da werde ich doch ebenso zerlegt, nummeriert, verpackt und "zack" steh ich auch irgendwo auf so 'nem Reisfeld und pflanze mit krummen Rücken die Sprossen in den wasserreichen Bodenbelag.
Ich brauchte Hilfe! Die Gliesemonauten waren allerdings keine Alternative. Man weiß ja noch nicht wirklich, ob die uns wohlgesonnen sind. Stephen Hawking's hat uns ja ausdrücklich vor den ausschweifenden Kontakt mit andersartigen Lebensformen gewarnt, die länger als vierzig Lichtstunden entfernt hausen. Und da bleiben nur Marsianer oder eventuell noch irgendwelche Lümels aus der Oortschen Wolke. Selbst die Trottel aus dem Proxima Centauri System sind schon für mein anliegen aus der Welt.
Also was blieb übrig, ich musste schneller denken. Da kam mir langsam die Idee. Ich ruf die Polizei! Die haben Zeit und können auch chinesisch oder zumindest Beamtendeutsch, das gleicht sich ja stark.

Also wollte ich mich gerade auf den Boden werfen um zum Fernsprechgerät zu robben, da wurde es hinter den Bäumen noch heller. Jetzt bekam ich es richtig mit der Angst zu tun und zitterte vor Muffensausen. Waren sie schon da, alle eine Milliarde Chinesen um die Einzelteile abzutransportieren?
Doch dann erblickte ich ihn. Er ritt auf hohem Ross voran. Nein, es war nicht der Bürgermeister und auch nicht der wiederauferstandene Mao Zedong, wobei man letzteren ja auch nicht ohne Grund für schlechte Zeiten einbalsamiert und in eine luftdichte Glaskiste gelegt hatte. Ich war in dem Moment überzeugt, es ist Gaius Iulius Caesar, er musste es sein, denn er trug eine römische Rüstung mit rot leuchtenden Umhang und einen glänzenden Helm, so wie ihn nur die Römer seinerzeit trugen.
War es wirklich so weit. Ich hatten noch keine Nachrichten gesehen. Hatte Berlusconi wirklich abgedankt und die konservativen Kräfte, die für ein Rom in den Grenzen von 117 nach Christus sind, haben die Macht übernommen?
Doch ich bemerkte schnell, ich musste auf einem Irrweg sein. Auch für den konservativsten Römer ist spätestens am Teutoburger Wald Sense gewesen. Dat war damals vorm Kriech so und heute erst recht. Vor allem hatte selbst damals Julius schon lange den Arsch zugekniffen und kannte den Teutoburger Wald, und den Rest darüber hinaus, höchstens vom Hörensagen oder vielleicht noch aus Geschichten zwei ungleichförmiger Kumpels aus Gallien.

Die Geschichte hatte also auch keine Hände und Füße, geschweige denn Bestand. Mir gingen ja auch gleich mehrere hundert Theorien in Sekunden durch die Denkfabrik, da mussten sich mithin ja Fehler einschleichen.
Aber dann, dann hatte ich es. Denn hinter dem rüstigen Reiter, kamen immer mehr kleine Gestalten mit Fackeln und Laternen hervorgeströmt. Ganz klare Sache. So was ähnliches ist mir vor Jahren auch passiert. Ich hatte Zeit und zockte wie ein Wahnsinniger Gothic II - Die Nacht des Raben. Ich zockte 36 Stunden, schlief acht und zockte wieder 36 Stunden, dann schlief ich wiederum acht und schwups waren zwei kostbare Wochen meiner Semesterferien dahin. Aber als ich kurz davor war meinen Verstand zu verlieren, wurde ich eines Morgens, Abends oder wann auch immer, wach und ich bekam den Knick zwischen fiktionaler Realität und realer Fiktion nicht mehr hin. Ich schwebte quasi aus dem Bett empor, in dem meine damalige Freundin noch seelenruhig und in Frieden schlief, und ich war überzeugt, ich musste unbedingt in die Taverne hinter den Hügeln um mich dort mit dem "Ring des Wassers", einer Geheimgilde, zu treffen. Erst als ich im Bad stand und bemerkte, dass ich nicht mal meine Magierrobe trug,  war mir klar, ich bin im Jetzt, also damals halt.
Genau so musste es auch aktuell in meiner Situation wieder sein. Obwohl die Ausgangslage anders war. Ich hatte zwar vor kurzem Gothic III noch mal angespielt, aber das war schon Wochen her. Gothic IV ist eh nicht mal einen Link wert und so war es vielleicht eine Pre-Fiktion auf den fünften Teil "Gothic V - Die Rache der Goblins" die sich exklusiv nur in meinem Kopf abspielte.
So musste es sein, denn die ganzen zwergenhaften Gestalten erinnerten mich doch sehr stark an die Goblins, die auf Khorinis und vor allem in Myrtana hausten. Und nun haben sie einen Paladin gefunden, der sie führt und sie lehrte, ihre Holzknüppel an ihren Feuern anzünden zu können. Ich wusste zwar immer noch nicht in welcher Phasenverschiebung ich mich gerade aktuell befand. Aber das war auch Makulatur. War es die eine Realität, dann käme ich da nur wieder heraus, wenn ich die Goblins samt ihren Anführer besiege. War es die andere, dann muss ich Gleiches tun, obwohl sich mir nach einiger Überlegung der Sinn nicht erschließen wollte. Es war egal, es musste gehandelt werden.
Ich suchte mein Feuerschwert um sogleich zu bemerken, die Gaspatronen für den Flammenkranz waren leer. Was sollte ich tun? Ich musste zur Bude, die haben eh alles, also auch Gas. Ich schlich mich aus der Wohnung und da ich eh hinten raus musste um nicht entdeckt zu werden, nahm ich gleich noch die Wäsche mit und konnte so zwei schwierige Aufgaben mit einem Gang erledigen. Nachdem ich die Waschmaschine gefüllt und eingestellt hatte, wusste ich, jetzt habe ich genau zwei Stunden Zeit um meine Mission zu erledigen.
Also schlich ich zur Bude. Ich bemerkte dann, dass sich wohl alle Goblins eingefunden hatten und im Park nebenan ein freudiges Fest feierten. Ich schlich weiter zur Bude um dort festzustellen, die haben zwar Schnürsenkel, Spültücher und Spieße für Schaschlik. Aber kein Gas für mein Feuerschwert, geschweige denn Schaschlik. Da hätte ich nämlich in dem Moment Hunger drauf gehabt. So nahm ich nur eine Flasche Cola, eine Dose Würstchen und wat zu rauchen mit. Auf dem Rückweg sah ich, dass dort immer noch gefeiert wurde.

Ich überlegt mir eine neue Strategie. Ich wollte das allwissende und Informationen klauende Orakel im Internet namens Facebook befragen und tat es sogleich. Doch da wurde mir einiges klar. Meine Schwester sagte es mir in einem Satz, wo ich jetzt Äonen von Minuten am überlegen und Pläne am schmieden war. Es war Sangt Martins Umzug, somit auch irgend ein Schmierendarsteller, der sich an selbiger Figur versuchte. Und dazu ein Rudel Kinder.
Ja das konnte ja keiner Ahnen, das solch absurden Dinge direkt vor meiner Nase im frisch renovierten Park passieren. Ich bin doch nur zugesoffene Penner gewohnt, die Nachts im Vollrausch den Mond anbellen. Sachen gibt's, die gibt es gar nicht.
Nun, immerhin weiß ich jetzt, was mein Feuerschwert auf dem freien Markt ohne Gaskartusche wert ist. Eine Freundin ihres Zeichens ein weibliches Wesen und mithin eine Frau, wollte es gegen irgend eine komische und angeblich magische Karte eintauschen. Aber da ich kein Poker spiele, dabei wird man zu schnell Multimillionär hab ich gehört, bin ich auf den Deal nicht eingegangen. Ich hätte sie aber überreden können, mir beim Kampf gegen die Goblins mit Bananen zu helfen. Doch erstens war sie zu weit weg und zweitens, die Sache hatte sich ja nun aufgeklärt.

So rauchte ich mir erst mal eine auf den Schreck, trank die Cola aus und mampfte die Würstchen in mich rein. War ja auch eine Alternative zum Goblins Schlachten, wie ich finde. Außerdem Gesünder. Es war schließlich Cola Zero und Geflügelwurst. Nur der Tabak, der hatte es in sich... "Hust!"

1 Kommentar:

  1. schreib das als buch, das bringts, in 3 jahren stehste bei rtl auffe bühne

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